art direction
performance
staging

Martinsbühel bei Zirl ist ein ehemaliges Mädchenheim der Benediktinerinnen, das von 1947 bis 2008 bestand. Jahrzehntelang wurden Mädchen von dort arbeitenden Nonnen psychisch und körperlich missbraucht. In den letzten Jahren wurde die Geschichte des ehemaligen Mädchenheims aufgearbeitet und an die Öffentlichkeit gebracht. Heute erinnert vor Ort kaum etwas an dieses Kapitel. Die abgelegene Siedlung mit dem leerstehenden Heim vermittelt vielmehr den Eindruck des Verschweigens und Vergessens. Das ephemere Denkmal Hinschauen widmet sich diesem Ort und seiner Geschichte. Gemeinsam mit weiblichen Schnalzerinnen durchbricht die Künstlerin die Atmosphäre des Wegschauens und Schweigens. Das Schnalzen ist ein traditionelles Faschingsritual im Alpenraum, bei dem durch das laute Knallen der Peitschen symbolisch der Winter ausgetrieben wird. Indem Frauen diese traditionell männlich geprägte Praxis ausüben, erhält sie eine zusätzliche Bedeutungsebene. Für Nicole Weniger stehen die Schnalzerinnen für Selbstermächtigung und Sichtbarkeit. Ihr Auftreten setzt ein deutliches Zeichen dafür, dass alle Menschen einen Platz in der Gesellschaft verdienen. Eine eigens für die Performance komponierte Klangarbeit von Marko Sulz erweitert das Projekt um eine zusätzliche Ebene. Das Zusammenspiel von Peitschenknallen, Klang und Ort schafft einen Raum des Erinnerns und verweist auf die Notwendigkeit, verdrängte Geschichten sichtbar zu machen.
Martinsbühel near Zirl is a former girls’ home run by Benedictine nuns that operated from 1947 to 2008. For decades, girls living there were subjected to psychological and physical abuse by the nuns who worked at the institution. In recent years, the history of the former girls’ home has been investigated and brought to public attention. Today, little at the site itself recalls this chapter of its past. Instead, the remote settlement and the vacant building convey an impression of silence, concealment, and forgetting. The ephemeral memorial Hinschauen (“Taking a Closer Look”) is dedicated to this place and its history. Together with female whip-crackers (Schnalzerinnen), the artist breaks through the atmosphere of looking away and remaining silent. Schnalzen is a traditional Carnival ritual in the Alpine region in which the loud cracking of whips symbolically drives out winter. When women perform this traditionally male-dominated practice, it acquires an additional layer of meaning. For Nicole Weniger, the Schnalzerinnen represent empowerment and visibility. Their presence sends a clear message that everyone deserves a place in society. A sound work specially composed for the performance by Marko Sulz adds another dimension to the project. The interplay of whip-cracking, sound, and place creates a space for remembrance and points to the necessity of making suppressed histories visible.
















Im Rahmen von Kunst im öffentlichen Raum Tirol (KÖR) 2025
Fotos: Daniel Jarosch, Nicole Weniger