Intervention

Places with wounds

Photography

Intervention

Landscape

Places with wounds ist ein fortlaufendes Fotoprojekt über Orte des Verschwindens und der Heilung, insbesondere Gletscher sowie Salzseen und Salzwüsten wie das Tote Meer. In den vergangenen drei Jahren entstanden in diesen sich verändernden Landschaften fotografische Inszenierungen, um mit ihnen in Beziehung zu treten und ihre Transformation erfahrbar zu machen. Geotextilien am Gletscher sowie ausgetrocknete Flussbetten dienen als Settings für fotografische Interventionen. Im Mittelpunkt stehen die Parallelen zwischen Gletschern und dem Toten Meer: Beide verlieren Wasser – durch schmelzendes Eis beziehungsweise sinkenden Wasserspiegel. Die Serie wurde in der Atacama-Wüste, in der weltweit trockensten Wüste, fortgeführt. Trotz der Gegensätze dieser Orte verbindet sie ihre Bedeutung für Heilung und Regeneration sowie ihre Bedrohung durch das Verschwinden. Das Projekt reflektiert damit die Beziehung zwischen Mensch, Natur und Fürsorge füreinander und für bedrohte Orte.

Places with Wounds is an ongoing photographic project exploring sites of disappearance and healing, particularly glaciers, salt lakes, and salt deserts like the Dead Sea. Over the past three years, photographic installations have been created in these changing landscapes to engage with them and make their transformation tangible. Geotextiles on glaciers and dried-up riverbeds serve as settings for these photographic interventions. The project focuses on the parallels between glaciers and the Dead Sea: both are losing water—through melting ice and falling water levels, respectively. The series has been continued in the Atacama Desert, the driest desert in the world. Despite the contrasts between these places, they are united by their significance for healing and regeneration, as well as their impending threat of disappearance. The project thus reflects on the relationship between humanity, nature, and the need to care for one another and for threatened places.

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photos (c) Nicole Weniger, 2023

what happens between the knots, Kunstraum Schwaz, 2024


Genauso unmittelbar kommunizieren die fünf Fotografien von Nicole Weniger mit dem Gletscher. Die Tirolerin war letztes Jahr Schwazer Stadtkünstlerin und wurde von Nadja Ayoub angefragt, weil sich ihre bereits bestehenden Fotografien so natürlich in das einfügten, was von den anderen Künstler:innen erarbeitet worden war. Auf den Fotos der Serie „Places with wounds“ sind jene Folien zu sehen, mit denen die Gletscher im Sommer oft eingepackt werden. Was wie eine fürsorgliche Geste anmuten könnte, hat eigentlich sehr pragmatische Gründe. Durch die Folien soll der vorhandene Schnee an Ort und Stelle gehalten werden, um Beschädigungen im Umfeld zu verhindern. Auf den Bildern liegen Menschen auf dem Plastik, strecken bemalte Hände in die Luft, von denen blaue Augen blicken. Die Menschen auf den Bildern stehen sowohl in Beziehung zueinander als auch zu dem jahrtausendealten Eis unter ihnen, das durch menschliches Einwirken langsam schwindet. Die echten Augen sind geschlossen oder abgewendet. Berührung ersetzt hier die Funktion des Auges: spüren ist wichtiger als sehen. Gleichzeitig wirkt es wie ein Versuch, dem Gletscher eine Wesenheit zu geben, die wir (endlich?) als schützenswert verstehen: mit etwas, das Augen hat, können wir in Beziehung treten, etwas, das uns anblickt, fordert uns auf, uns um sein Wohlehergehen zu kümmern. (Ausschnitt komplex Magazin)

Ubiquitous climate change and its effects are depicted in a sensitive interplay of physical touch and emotional nurture. The glacier, swathed in white blankets, is stroked and embraced. People embed themselves within it, as though they were part of it. Protective hand gestures with painted eyes recall the hand of Fatima – the most effective defence against the evil eye and jinn. They seem to speak through touch: “I see you!” – a declaration of love to an ever-dwindling yearning that concerns us all.

(Ausschnitt Text Nadya Ayoub)

exhibition photos: Aslan Kudrnovsky

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